Allgemein Schuhwissen Sneakers Stiefel

Was weißt du über deine Schuhe?

Angeblich läuft ein Mensch in seinem Leben mindestens zweimal um die Erde. Und das vielleicht sogar, ohne zu wissen, was er eigentlich genau an seinen Füßen trägt. Klar weißt du, was ein Schuh ist, keine Frage. Ein Schuh besteht aus irgendeinem „Material“ und einer „Sohle“, richtig?!

Aber könntest du auch bei einem Schuhtalk sicher ins Detail gehen, ohne dabei ins Stottern zu geraten?

Wenn du weißt, aus welchen Einzelteilen dein Schuh besteht und verstehst, dass all diese Teile eine bestimmte Funktion erfüllen müssen – dann kannst du schon besser gute und schlechte Qualität unterscheiden.

(Hier findest du mehr zum Thema „Was sind gute Schuhe?“.)

Das klingt jetzt alles nach Pauken, aber keine Panik, für ein solides Basiswissen über Schuhe musst du keine Bücher wälzen. Und auch kein Experte aus der Branche sein.

Das kleine 1 x 1 der Schuhkonstruktion

Das sogenannte „Material“ ist das Obermaterial, welches auf Englisch „Upper“ genannt wird. Im deutschem Fachjargon sagt man dazu „Schaft“.
Ich muss zugeben, dass wir unter Schuhdesignern eher dazu neigen, uns lapidar die englischen Wörter um die Ohren zu hauen.

Deshalb spreche ich hier meistens vom „Upper“, ganz unabhängig davon, ob es sich um einen Leder- oder Synthetikschaft handelt.

Eines der wichtigsten Elemente bei der Schuhherstellung ist der Schuhleisten

Er bestimmt über Tragekomfort, die Form deines Schuhs und nicht zu vergessen über die Art der Schuhspitze (engl. „Toe Shape“). Der Leisten dient als Base für das Schnittmuster vom Obermaterial.

Außerdem wird er bei der Schuhherstellung gebraucht für den Zusammenbau von Upper und Sohle.

Als erstes wird ein Holzleisten angefertigt, damit eventuelle Korrekturen sofort am Leisten umgesetzt werden können.

Hier ist absolutes Fingerspitzengefühl angesagt, denn die kleinste Änderung von nur wenigen Millimetern nimmt Einfluss auf Aussehen und Passform.

Gibt es am Holzleisten nichts mehr zu meckern, wird er für die Produktion in Kunststoff oder in Aluminium vervielfältigt.

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Ein Schuh wird in zwei Hauptteile unterteilt …

… und zwar in Obermaterial (Schaft) und Laufsohle (Boden).

Bis zum fertigen Schuh wird das Obermaterial in mehreren Schichten und Einzelteilen verarbeitet. Selbst ein Experte erkennt die genaue Zusammensetzung nur, wenn er den Schuh auseinanderschneidet.

Das Upper eines Schnürschuhs und Sneakers besteht meistens aus einem Vorderblatt, der Zunge, den seitlichen Quartieren und einer Fersenkappe.

Sobald die seitlichen Schaftteile über den Fußknöchel reichen, ist das ein Ankle Boot. Reicht die Schafthöhe bis zur Wade oder noch weiter, spricht man von Stiefeln.

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Wenn du in deine Schuhe mal reinschaust, siehst du das sogenannte Schuhfutter (engl. „Lining“).

Natürlich kann auch das Futter aus ganz unterschiedlichen Materialien bestehen. Grundsätzlich wird es in Kalt- und Warmfutter unterteilt.

Das Kaltfutter kann aus Leder, Synthetik oder Textilgewebe sein. Wie der Name schon verrät, ist das Warmfutter dicker und wird hauptsächlich bei Stiefeln oder Trekkingschuhen eingesetzt. Also eher bei Schuhen, die starker Witterung ausgesetzt sind.

Drehst du den Schuh um, siehst du den „Boden“, der dir als Laufsohle bekannt ist und übersetzt „Outsole“ heißt.

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Laufsohlen …

… werden genäht oder geklebt.

Das ist sehr stark von der Art des Schuhs bzw. von der sogenannten Schuhkonstruktion abhängig.

Idealerweise werden zumindest bei Oxfords und Derbys echte Nähte verarbeitet.
Dabei spielt die Schafthöhe keine Rolle – also unabhängig von Halbschuh oder einer Schnürstiefelette. Aber auch bei Biker Boots und Stiefeln mit hohem Schaft ist die genähte Sohle ein Qualitätsmerkmal.

Oxford-Derby-Schuhe-UnterschiedBei verklebten Laufsohlen hast du den Vorteil, dass der Schuh oft günstiger zu haben ist.
Allerdings können sich Klebestellen schneller auflösen und der Schuh hat dementsprechend eine kürzere Lebensdauer.

Ob deine Stiefel wirklich vernäht wurden, siehst du, wenn du den Schuh einmal umdrehst und die Naht genau unter die Lupe nimmst.

Ein echter Faden ist meistens das Indiz für eine funktionelle Naht und dass es sich hierbei um eine genähte Schuhkonstruktion handelt.

Wenn du keinen echten Faden erkennen kannst oder gar keine Naht, dann wurde die Sohle verklebt (Du weißt nicht, wie Fake-Nähte aussehen? Dann schau hier mal vorbei)

Aufgepasst: Es gibt mittlerweile viele verschiedene Macharten von genähten Schuhen. Der Schaft kann genauso gut mit der Innensohle vernäht werden, was du von außen dann nicht erkennen kannst. Also der Schuh ist dann vernäht und geklebt.

Solche Nähte müsstest du im Inneren des Schuhs, am Rand, fühlen können. Noch mehr Infos zum Thema Schuhnähte kannst du übrigens hier bei Wikipedia finden.

Bei Pumps, Absatz-Sandalen und Sneakers werden Obermaterial und Sohle fast immer verklebt. Achtung, dabei handelt es sich jedoch nicht um einen Qualitätsmangel.

Es kommt also ganz auf die Schuhkonstruktion an. Je nachdem, um welchen Schuh es sich handelt, besteht die Sohle aus Leder, Gummi, Holz oder Kunststoff.

 

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PS: Die tollen Fachbegriffe kannst du auch super in der nächsten Warum-du-viele-Schuhe-brauchst-Debatte einbringen: „Also, den Sneaker musste ich unbedingt noch haben, weil der einen total anderen Toe Cap hat als das Modell aus dem letzten Jahr. Und die Outsole von dem neuen Ankle Boot – ein Traum, sogar im Winter!“

über

Silvi ist Schuhdesignerin aus Leidenschaft und möchte diese Passion mit dir teilen. Ihre Heimat ist größtenteils Italien, das Land der schicken Luxusschuhe. Sie hat eine Schwäche für knallige Farben und schlichtes Design. Folge ihren Schritten auf Facebook & Instagram.

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